Visionen: Die Stadt als Farm

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Das Thema urbane Landwirtschaft erfreut sich seit einiger Zeit reger Beliebtheit. Die Vielzahl bepflanzter Hinterhöfe und Dächer motivierte Wissenschaftler der Ryerson University aus Toronto ihre Erkenntnisse über das Thema in einer Ausstellung und einem Buch zusammenzufassen. Das Ergebnis ist ein neues städtebauliches Leitbild namens Carrot City bzw. die Produktive Stadt.

In der Carrot City steht die Nahrungsmittelproduktion nicht im Gegensatz zur urbanen Lebenswelt – sie ist vielmehr ein elementarer Bestandteil. Denn lange bis ins 20. Jahrhundert hinein war es in der europäischen Stadt üblich, Tiere für den Eigenbedarf in den Hinterhöfen zu halten oder Obst und Gemüse ausschließlich aus dem Umland zu beziehen.

Der Siegeszug der Agrar- und Lebensmittelindustrie beendete diese Phase. Mit der Einführung von neuen Düngemitteln, schwindenden Transportkosten und der Entwicklung von Konservierungs- und Zusatzstoffen, kam es zum Bruch und später zur Entfremdung. Die Nähe zur Stadt war fortan für die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr wichtig. Heute ist es für uns selbstverständlich, dass Lebensmittel aus dem Supermarkt kommen. Das verändert aber auch unser Essverhalten. Wir haben uns an Fertiggerichte, Tiefkühl- und Dosenkost gewöhnt. Es geht sogar so weit, dass der Sternekoch Rainer Hensen in seinem Restaurant immer wieder von besorgten Eltern nach Ketschup für die Kleinen gefragt wird.

Unsere Lebenswelt macht es uns aber auch nicht leicht. Viele haben im Alltag zu wenig Zeit oder sind zu bequem geworden und vom Platzmangel in der Stadt wollen wir erst gar nicht anfangen zu reden. Wir müssen aber die Frage stellen, ob das früher wirklich anders war. Hatten die Menschen damals mehr Zeit und Raum?

Wir können daher ruhig dem Motto folgen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die unzähligen Projekte weltweit zeigen uns das auch. Warum nicht mit einem Micro Urban Garden anfangen und lernen? Danach kann man sich immer noch Tipps von den Profis holen, wie man am Besten Kartoffeln auf dem Balkon anpflanzt.

Damit aus der Vielzahl der Projekte eine nachhaltige Vision oder Strategie entstehen kann, ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung umso wichtiger. Das macht Carrot City oder die produktive Stadt so wertvoll. Dabei sind diese beiden Ansätze nur zwei unter vielen (siehe Edible City). Die Inhalte ähneln sich, daher muss das Profil der Begriffe geschärft werden.

Raum für die Diskussion ist jedenfalls vorhanden. Die Ausstellung Produktive Stadt / Carrot City – Designing for Urban Agriculture ist ab 23. April im Schloss der Universität Hohenheim zu sehen. Die Abschlussveranstaltung mit Vorträgen und Diskussionsrunden findet am 9.Mai statt.

 Mehr über Carrot City und die Wanderausstellung.

Bildnachweis: Wistful von CarbonNYC

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